Seit heute läuft also die CeBIT. Nun denn, für mich als Hannoveraner heißt das: verstopfte Straßenbahnen, noch mehr Anzugträger als sonst, jede Menge Asiaten mit Digiknipsen und Tonnen von Teenies mit vielen, vielen Tüten, in denen sich viele, viele bekloppte Produktkataloge nebst Kulis, Aufklebern und Gummibärchen ansammeln.
Die Eröffnungsfeier fängt so an, dass es für mich schon gleich wieder vorbei ist: Wir sehen Tänzerinnen, die vor überdimensionalen Screens die Pseudowichtigkeit dieser IT-Messe mit halbwegs gelenken Verrenkungen hervorheben sollen. Dabei waren solche Tanznummern schon out, als sie gerade erst in waren.
Und dann tritt unser aller Angie ans Mikro und fordert günstigere Internet- und Handytarife: "Sie kriegen mehr Kunden, wenn Sie es billiger machen." Also auch hier scheint Geiz geiler zu sein. Als Partnerland haben sich die Verantwortlichen Russland ins Boot geholt. Solange wir Hannoveraner keine CeBIT-Shirts mit Gazprom-Werbung tragen müssen, können die Herrschaften auf dem Messegelände gern machen, was sie wollen. Von mir aus auch eine neue "Innovationsoffensive" ausrufen.
Das Lustigste an der diesjährigen Ausgabe der CeBIT ist das Logo, das an die Tintenklecksbilder des Rorschach-Tests erinnert, mit dem unter anderem Art und Grad der Intelligenz getestet werden soll. Klassisches Eigentor. Diesem besoffenen Karnevalsosterhasen mit überdeutlicher Hodensenkung - nein, ich meine nicht den neuen OB von Hannover, Stephan Weil, der die Messe anpfeifen durfte - haben die Messemacher den Slogan "Und was sehen Sie?" an die Seite gestellt und fordern: "Join the vision". Dabei wissen wir doch spätestens seit Helmut Schmidt: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen."
Gastkommentar von Dirk Kirchberg