Eine Woche habe ich als MacBook Pro 15" User das Arbeiten mit einem MacBook Air 13,3" getestet. Ein Erfahrungsbericht.
Leistungsfähigkeit, nahezu uneingeschränkter Speicherplatz, SuperDrive und Schnittstellenvielfalt des MacBook Pro stehen der verbesserten Mobilität des MacBook Air gegenüber. Das Ergebnis kann ich vorweg nehmen: Das MacBook Air ist bestellt und schon auf dem Weg ;-)
Man stellt sich als Anwender immer die Frage, wie die optimale Arbeitsumgebung aussieht.
Als Power-User (Cutter, Fotograf ...) hätte man sicherlich gerne einen fetten Mac Pro am Arbeitsplatz und ein MacBook Pro 15" oder 17" mit Intel i7 Prozessor für den Einsatz unterwegs. Man benötigt große und schnelle Festplatten, viele Schnittstellen und natürlich eine leistungsstarke Grafikkarte. Die Qual der Wahl kann in diesem Fall nur der Geldbeutel beantworten.
Mein Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Projektmanagement und die obige Kombination wäre, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Daher habe ich mich schon früh für ein PowerBook (heißt heute MacBook Pro) entschieden.
Anfangs war es noch ein PowerBook G4 17" ohne externen Monitor, später habe ich diesen 'Trümmer' gegen ein MacBook Pro 15" und ein Cinema Display getauscht.
Das MacBook Pro ist noch kein Jahr alt, besitzt eine 500GB Festplatte, hat einen 2,8 GHz Prozessor und zwei Grafikkarten. Das SuperDrive nutze ich hin und wieder, aber eigentlich nur zu Installationszwecken oder um DVDs zu rippen. Es hängt in der Agentur an einem 24" LED Cinema Display, ansonsten reicht mir das 15" Display aber voll und ganz, um mobil zu arbeiten. Mit dem Update der Tastatur, die Apple vor geraumer Zeit beim MacBook 13" einführte, hat Apple sich einen riesigen Gefallen getan. Ich mag die eingebaute Tastatur fast lieber, als meine externe Tastatur mit Ziffernblock.
Mit Erscheinen des iPads hatte ich sogar schon einmal überlegt auf Mac mini oder iMac in Kombination mit einem iPad umzusteigen, bin aber schnell wieder davon abgekommen, weil mich das iPad bis heute noch nicht reizt.
Das erste MacBook Air war für mich noch ein reines Spielzeug, nichts Halbes und nichts Ganzes. SSDs waren viel zu teuer, RAM in diesem Gerät ein rares Gut und die Tastatur ein Krampf (die habe ich schon bei den älteren MacBook Pros und noch älteren PowerBooks nicht leiden können).
Mit dem neu vorgestellten MacBook Air hat Apple zum ersten Mal ernst gemeinte Aufmerksamkeit bei mir erzeugt. Kein Spielzeug mehr. Interner Speicherplatz bis 256GB, bis zu 4GB RAM, meine Wunschtastatur und eine mehr als anständige Akku-Laufzeit.
Auch, wenn ich den Vorteil eines 11,6" MacBook Air sehe, scheidet es für mich aus. Das MacBook Air soll ja kein Zusatzgerät werden, sondern ein echtes Arbeitsgerät für unterwegs, da brauche ich kein Mäusekino. Außerdem fehlt mir hier der SD-Karten Slot. Denn wenn ich schon mobil denke, dann auch konsequent. In meinem Auto höre ich Musik über SD-Karten, meine Digital-Kamera speichert die Bilddaten ebenfalls auf einer SD-Karte. Dafür muss und will ich nicht auch noch ein Kabel oder Adapter mitnehmen.
Die Akkuleistung des 13,3" MacBook Air ist ebenfalls höher, als die des kleinen 11,6" Bruders. Dieser Vorteil ist allerdings durch die Wahl des schnelleren Prozessor mit 2,13 GHz statt der Standardausführung der 1,86GHz Variante (fast) wieder dahin.
Was hat uns die Erfahrung ebenfalls gelehrt? RAM ist durch nichts zu ersetzen, also kommt auch hier nur die 4GB Variante in Frage.
Die Festplatte ist ja keine mehr, eher ein großer Speicherriegel mit 256GB. Weniger kann ich mir gerade nicht vorstellen, auch, wenn ich weiß, dass ich irgendwann wohl nur noch das Kernsystem und die Applikationen auf dem System haben werde und alle anderen Daten aus dem Netz ziehe. Aber soweit sind wir (noch) nicht.
Die Entscheidung für die optimale Konfiguration ist also getroffen. Aber hält das Gerät auch, was ich mir davon verspreche?
Der Tag der Wahrheit rückt näher. Einen Tag nach Vorstellung der Hardware durch Steve Jobs steht der Karton bei mir auf dem Schreibtisch. Apple Verpackungen haben für mich in all den Jahren ihren Reiz immer noch nicht verloren.
Das MacBook Air auszupacken geht schnell, Folie entfernen, Deckel anheben, an der Lasche ziehen: Voilà.
Das MacBook Air ist ein Leichtgewicht und der Karton ziemlich leer. Netzteil, Betriebssystem. Ende. - Betriebssystem? Kam dies beim Vorgänger noch auf einer DVD, liefert Apple das System zukunftssicher auf einem USB-Stick. Die CD/DVD ist gestorben.
Damit ist das Arbeiten mit dem Gerät ebenfalls definiert. Benötigte Software, Daten etc. werden via USB, Ethernet oder drahtlos geladen.
Damit sind wir bei der Problematik der bestehenden Infrastruktur angekommen. Das Überspielen von Daten, die auf externen Festplatten gelagert sind, klappt problemlos und schnell. Dank Gigabit Ethernet in der Agentur kann ich auch die Images, die ich zur Installation weiterer Software benötige, ebenfalls schnell laden. Aber halt: warum hat Apple den USB-Ethernet-Adapter beim aktuellen MacBook Air eingespart? Er liegt nämlich nicht im Karton!
Apple weiß, dass man mit Zubehör Geld verdienen kann und hat wieder einmal etwas wegrationalisiert, das ich als Kunde dann nachkaufen muss. OK. Also muss ich über WLAN Daten ziehen. Da freut sich, wer IEEE 802.1n nutzen kann, denn ansonsten möchte man seine Aperture Bibliothek ungern drahtlos von einem Rechner auf den anderen ziehen. Aber da muss ich jetzt durch. In den Laden rennen, um den Adapter kaufen, wäre ja zu einfach. (Kommentare, dass man ja problemlos die Festplatte des MacBook Pros in ein entsprechendes Gehäuse bauen könnte, spare ich mir. Das geht, ich habe es auch gemacht, aber es ist NICHT PRAKTIKABEL).
Nachdem ich Musik und Fotodaten über Nacht drahtlos vom MacBook Pro auf das MacBook Air gespielt habe und drahtlos die CS5 über das entfernt genutzte Laufwerk des MacBook Pro installiert habe (was nicht nur gefühlt Stunden dauert) bin ich uneingeschränkt arbeitsfähig.
Das MacBook Pro bleibt also am nächsten Arbeitstag zu Hause: Reality-Check.
Am 24" LED Cinema Display angeschlossen merke ich gar nicht, dass ich nicht mit meinem MacBook Pro arbeite, zumindest nicht negativ.
Was mir sofort positiv auffällt ist, dass das MacBook Air nicht nur "instant on" ist, sondern auch, dass die Applikationen Dank Flash-Speicher in nie gekannter Geschwindigkeit starten. Photoshop startet in für mich ungewohnten 4-5 Sekunden (ich habe nicht mit der Stoppuhr gemessen). Safari, Mail und Co. starten quasi sofort.
Kundentermin - ich packe sicherheitshalber das MacBook Pro in den Kofferraum. Die Präsentation klappt problemlos. Mit einer Einschränkung: Das MacBook Air besitzt keinen IR-Empfänger. Das ärgert mich allerdings. Ich mag nämlich die dezente Apple Remote.
Aber Apple wäre nicht Apple, wenn es nicht trotzdem einfach ginge. Einfach ein AirPort Netzwerk anlegen, iPhone einbinden, die App Remote für Keynote für die Präsentation nutzen (iPhone vorausgesetzt). Das geht. Aber wie gesagt, ich mag die dezente Apple Remote, das iPhone finde ich zu unhandlich. Damit wäre der Praxistest bestanden (einfach geht anders).
Nach dem ersten Installationsmarathon lag mein MacBook Pro (von dem einen Termin abgesehen) sträflich vernachlässigt herum. Reality-Check bestanden.
Würde Apple meine Wünsche berücksichtigen, hätte das nächste MacBook Air eine hinterleuchtete Tastatur. Die fehlt mir wirklich. Da verzichte ich gerne auf die Ersparnis an Bauhöhe oder höhere Akkuleistung. Apropos Akkuleistung, der Akku ist ein Traum. Mein MacBook Pro hat mich schon erstaunt, aber ich sehe beim Schreiben dieses Artikels gerade auf die Anzeige: 86 Prozent steht da, das entspricht einer Restlaufzeit von 6:57 Stunden.
Denken wir den Weg, den Apple mit dem MacBook Air beschreitet, konsequent weiter, reden wir von hypermobilem Arbeiten. Das iPad-Konzept war ein erster Schritt in diese Richtung. Dazu muss man allerdings ernsthaft über eine gesicherte, dezentrale Datenhaltung nachdenken. Wird unser Mobilnetz schneller oder WLAN flächendeckend ausgebaut, benötige ich nämlich keine große Festplatte mehr und käme wahrscheinlich auch mit 64GB internem Speicher aus.
Derzeit sind bei allen _wirklich_ benötigten Daten 130GB der 256GB belegt. Alle anderen Daten habe ich ausgelagert. Aus meiner Sicht wird es nicht mehr lange dauern, bis das Überall-Internet Realität ist. Dann muss man sich keine Gedanken mehr um internen Festplattenplatz machen (Einschränkungen siehe zu Anfang meines Artikels).
Für Menschen wie mich ist das MacBook Air damit die eierlegende Wollmilchsau. Hinterleuchtete Tastatur und IR-Schnittstelle fehlen mir allerdings in dem ansonsten perfekten Arbeitsgerät.
Eine klare Kaufempfehlung.
*MAMBA = Mein Apple MacBook Air